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Judge: Bhagavad-Gîtâ – Studienausgabe
Esoterische Philosophie ~ Weisheit der Zeitalter
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Jetzt mit Index sowie Verzeichnis aller in der Gîtâ handelnden Personen und Gottheiten

Der königliche Weg zu spiritueller Erkenntnis

 

William Q. Judge  [mehr zum Autor]

Bhagavad-Gîtâ – Studienausgabe

Östliche Weisheit für westliches Denken kommentiert von William Q. Judge

Erhältlich in zwei Ausführungen:

  • Paperback-Ausgabe, 348 S., 6 Abb., 15,5 x 22 cm,
    24,80 EUR, ISBN 978-3-924849-71-9
  • Hardcover-Ausgabe, 348 S., 6 Abb., 16,2 x 22,7 cm, Lesebändchen, 34,80 EUR, ISBN 978-3-924849-72-6
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Beschreibung

Die Bhagavad-Gîtâ und die Studien über die Bhagavad-Gîtâ jetzt in einem Band vereint.

Die Bhagavad-Gîtâ ist die bedeutendste und bekannteste Episode aus dem indischen Nationalepos Mahâbhârata. Als eines der ältesten Bücher der Menschheit enthält es unsagbare Schätze unvergänglicher Weisheit und des Wissens.

Die Herausgabe der Gîtâ von William Q. Judge gilt als die beste Wiedergabe in europäisches Denken. Sie enthält einen Dialog, in dem Krishna, der Avatâra und „Wagenlenker“, zusammen mit Arjuna, seinem Chela, die höchst mögliche spirituelle Philosophie erörtert. Fragen des alltäglichen Lebens erhalten tiefgründige Antworten zum Verstehen unserer selbst. Zugleich öffnet die Gîtâ die Sicht in Welten, die Ursache und Grund für alle physische Existenz auf Erden sind.

Mit dem zweiten Teil, den Studien über die Bhagavad-Gîtâ, schließt Judge eine Lücke zwischen alter Weisheit und westlichem Denken. Der verborgene Gehalt der symbolhaft dargestellten kriegerischen Auseinandersetzungen sowie die Bedeutung der Dialoge der handelnden Personen erschließen sich dem Leser in ihrer ganzen ethischen Tragweite. Er erkennt sich als Teil des Ganzen, wodurch die Grenzen zwischen dem Äußeren und Inneren mehr und mehr schwinden.

Mahatma Gandhi nahm Zuflucht zur Gîtâ: „Mein Leben war voll von äußerlichen Tragödien, und wenn sie bei mir keinerlei sichtbare oder unauslöschliche Wirkung hinterlassen haben, verdanke ich das den Lehren der Bhagavad-Gîtâ.“

Inhaltsverzeichnis

Teil 1: Bhagavad-Gîtâ

  • Vorwort des deutschen Herausgebers
  • Vorort des Übersetzers der Bhagavad-Gîtâ
  • Bewegende Aussagen über die Bhagavad-Gîtâ
  • Willan Quan Judge
  • Einführende Worte
  • Gottfried von Purucker: Wissenswertes über die Bhagavad-Gîtâ
  • Personen in der Bhagavad-Gîtâ
  • 1: Die Verzagtheit des Arjuna
  • 2: Ergebenheit aufgrund der spekulativen Lehren
  • 3: Ergebenheit durch die rechte Ausführung von Handlungen
  • 4: Ergebenheit durch spirituelle Erkenntnis
  • 5: Egebenheit durch Entsagung von Handlungen
  • 6: Ergebenheit durch Selbstbeherrschung
  • 7: Ergebenheit durch spirituelle Unterscheidung
  • 8: Ergebenheit für den allgegenwärtigen Geist, OM genannt
  • 9: Ergebenheit durch die königliche Wissenschaft und das königliche Mysterium
  • 10: Ergebenheit durch die universalen göttlichen Vollkommenheiten
  • 11: Das Schauen der göttlichen Form, die alle Formen einschließt
  • 12: Ergebenheit durch den Glauben
  • 13: Ergebenheit durch die Unterscheidung zwischen Kshetra und Kshetrajna
  • 14: Ergebenheit durch die Trennung von den drei Qualitäten
  • 15: Ergebenheit durch das Erkennen des höchsten Geistes
  • 16: Ergebenheit durch Unterscheidung zwischen gottähnlichen und dämonischen Naturen
  • 17: Ergebenheit durch die Erkenntnis über die drei Arten des Glaubens
  • 18: Ergebenheit durch Entsagung und endliche Befreiung

Teil 2: Studien über die Bhagavad-Gîtâ

  • (analog Teil 1)

Index

 

Leseprobe

Vorwort des deutschen Herausgebers

Krishna, der Avatara, sagt zu seinem Schüler Arjuna: „Sooft ein Niedergang der Tugend und ein Überhandnehmen von Ungerechtigkeitund Laster in der Welt eintritt, erzeuge ich mich selbst unter den Kreaturen. So verkörpere ich mich von Periode zu Periode für die Bewahrung der Gerechten, die Zerstörung der Boshaften und die Aufrichtung der Gerechtigkeit.“ (Die Bhagavad-Gîtâ, Kap. 4, Vers 8.)

Das berühmte indische Nationalepos Mahâbhârata, aus dem die Bhagavad-Gîtâ die bedeutendste und bekannteste Episode ist, enthält als eines der ältesten Bücher der Menschheit unsagbare Schätze unvergänglicher Weisheit und des Wissens. Auch heute noch sind sie ebenso wertvoll wie vor über 5000 Jahren. Im Gegensatz zu unserem eher wissenschaftlich geprägten Zeitalter kannten unsere berühmten Vorfahren die verursachenden Kräfte, die hinter allem materiellen Dasein wirksam sind. Nicht ohne Grund zählt die Bhagavad-Gîtâ daher zu den meistübersetzten Werken in der Welt.

Umso mehr freuen wir uns, Ihnen die Bhagavad-Gîtâ in einer sorgsam
überarbeiteten Fassung und erstmals zusammen mit den Studien über die Bhagavad-Gîtâ in einem Band vorstellen zu können.

Die Herausgabe von William Quan Judge gilt als die beste Wiedergabe in europäisches Denken. Das macht sie zusätzlich so wertvoll und erleichtert den Einstieg in die hochspirituelle altindische Philosophie. Der Leser und Studierende wird in verständlicher Weise in die Kausalität des Lebens eingeführt, ohne dass die Gîtâ an Tiefe und Originalität verliert. Auch erlebt sich der Leser selbst als Arjuna, was eine ungeahnte Bereicherung für das eigene Leben bedeutet.

Mit dem zweiten Teil dieses Buches, den Studien über die Bhagavad-Gîtâ, schließt Judge eine Lücke zwischen alter Weisheit und westlichem Denken. In ihnen erläutert er die tieferen Inhalte der Bhagavad-Gîtâ. Zahlreiche Analogien helfen dem Leser, die Beziehungen des Inneren zum Äußeren nachzuvollziehen – Beziehungen, auf denen nicht nur die Natur, sondern auch das menschliche Bewusstsein beruht. Des Weiteren gibt Judge Erläuterungen zu den Geschehnissen, Personen und Lehren in der Gîtâ. Hierdurch erhält der Leser eine zusätzliche Hilfe zum Verstehen der hinter Allegorie verborgenen Inhalte. Die Studien befähigen, noch tiefer, noch umfassender in die zeitalteralten und zeitlosen Weisheitslehren einzudringen, oder mit anderen Worten: hinter die Schleier der Natur zu sehen.

Ein zusätzlich angefertigtes Verzeichnis der in der Gîtâ handelnden Personen und Gottheiten bietet zum Einstieg oder auch einfach nur zum Nachschlagen einen Überblick über die zahlreichen Namen und das, wofür sie stehen. Außerdem haben wir einen Index erstellt, mit dessen Hilfe problemlos die wichtigsten Stellen in der Gîtâ und in den Studien gefunden werden können.

Die Gîtâ und mit ihr die Studien sollten in keinem Bücherschrank fehlen, denn wie schreibt Schopenhauer so ergreifend:

Es ist die belehrendste und erhabenste Lektüre, die auf dieser Welt möglich ist; sie ist der Trost meines Lebens gewesen und wird der meines Sterbens sein.

Hannover, August 2014
Bärbel Ackermann

 

William Quan Judge: Einführende Worte

[...] Die Bhagavad-Gîtâ kann jedem Schüler im Verlauf seiner Entwicklung ein tieferes Erfassen ermöglichen. Das Werk kann in unterschiedlicher Weise gelesen werden. Hierfür ist der jeweils eingenommene Standpunkt maßgebend, das heißt, ob es auf die individuelle Entwicklung, auf die Kosmogenese, auf die Evolution in der Astralwelt, auf die Hierarchien in der Natur oder auf die moralische Natur usw. bezogen wird.

Die Bhagavad-Gîtâ versucht dem Individuum zwei Gedanken einzuprägen: erstens Selbstlosigkeit und zweitens Tätigkeit. Ihr Studium und ein entsprechendes Leben werden die Erkenntnis erwecken, dass es nur einen Geist und nicht verschiedene gibt; dass wir nicht für uns allein leben können, sondern zu der Erkenntnis kommen müssen, dass es so etwas wie Sondersein nicht gibt und dass keine Möglichkeit besteht, dem Gesamtkarma der Rasse zu entrinnen, der wir angehören; und schließlich, dass wir in Übereinstimmung mit einer solchen Anschauung denken und handeln müssen. [...]

 

Die Bhagavad-Gîtâ – Kapitel 1:
Die Verzagtheit des Arjuna (Auszug)

Jeder ist Krishna und Arjuna. –
Wo sich die beiden vereinigen,
verbeugt sich die gesamte Natur!

Dhritarâshtra sprach:
[Dhritarâshtra, Ahnherr der Kurus, blind]

Sage mir, o Samjaya [Sprecher des Dialogs], was haben meine Söhne und die des Pându, die sich bei Kurukshetra kampfbereit gegenüberstehen, nun begonnen?[1]

[Fußnote 1: Der Schlüssel für das Studium der Bhagavad-Gîtâ muss auf diesen ersten Satz angewandt werden. Wenn wir dieses Buch nach dem Wert betrachten, den es für einen nach der höheren Weihung oder Ergebenheit ringenden Menschen hat, dann ist der durch Karma und Tanhâ – Durst nach Leben – erlangte Körper das Schlachtfeld, während der Sprecher und sein Volk das niedere Selbst und die Pândavas mit ihren Kriegern das Höhere Selbst – die Triade Âtma-Buddhi-Manas – darstellen. Wenn aber dieses und die folgenden Kapitel der Bhagavad-Gîtâ} vom kosmischen Standpunkt aus betrachtet werden, dann sind die Sprecher, das Schlachtfeld und die im ersten Kapitel beschriebenen Heerführer mit ihren Instrumenten und Waffen im Universum existierende Wesen, Kräfte, Regionen und Planeten [...]. In seiner Anwendung auf uns selbst ist das Lehrgespräch von größtem Interesse, von höchster Bedeutung; es beginnt mit dem unvermeidlichen Kampf zwischen der höheren und der niederen Natur des Menschen, und zufolge dieser Auffassung wird Krishna der Lehrer des Arjuna in Philosophie und wahrer Ethik, damit Arjuna fähig wird, zu kämpfen und zu siegen.]

 

Studien über die Bhagavad-Gîtâ – Kapitel 1:
Die Verzagtheit des Arjuna (Auszug)

Wollte man den Titel dieses heiligen Gedichtes umschreiben, so würde er lauten:

„Das heilige Gedicht des göttlichen SELBSTES, das weit
vor dem Anfang des Kali-Yuga oder des dunklen Zeitalters
auf die Erde herabstieg, um die Menschen zu
unterrichten und ihnen zu helfen.“

Gîtâ heißt „Gedicht“, und Bhagavad ist einer der Namen von Krishna; Krishna war ein Avatâra. Entsprechend den Anschauungen der Brâhmanen leben wir jetzt im Kali-Yuga, das nach dem Erscheinen Krishnas begann. Von Krishna wird gesagt, dass er kam, um den Menschen jene moralischen und philosophischen Weisheitslehren zu geben, die für die Zeit dieses Yuga zu wissen notwendig sind. Wenn diese Zeit zu Ende ist, wird nach einer kurzen Periode der Dunkelheit ein besseres Zeitalter beginnen.

[...]

In einem Punkt sehen wir eine seltsame Ähnlichkeit zwischen der Bhagavad-Gîtâ und dem hebräischen Testament. Die Juden wurden durch gewisse Erfahrungen darauf vorbereitet, in das verheißene Land einzuziehen. Bevor sie dies jedoch konnten, mussten sie noch in mächtigen Kämpfen die Hiwiter, Jebusiter, Perisiter und Amalekiter besiegen. Auch im ersten Vers der Bhagavad-Gîtâ wird der Anfang eines Krieges signalisiert. Der alte, blinde König Dhritarâshtra bittet seinen Staatsminister um Aufschluss über die getroffenen Maßnahmen der zum Kampf bereiten Heere der Pândavas und Kurus. So sammelten sich auch die Juden an der Grenze des verheißenen Landes zum Kampf. Sie wurden in ihrem Entschluss bestärkt durch die Verheißung ihres Gottes, der sie aus dem finsteren Ägypten geführt hatte. Ägypten, das Land, in dem sie – in mystischer Sprache – ihre Verkörperung erlangt hatten, steht für die vorgeburtlichen Zustände, für die gestaltlosen Perioden zu Beginn der Evolution, für die Entwicklungszeit in der Gebärmutter.

[...]

Dhritarâshtra ist blind, weil unser Körper als solcher in jeder Beziehung ebenfalls blind ist.

[...]

Das Auge kann für sich allein nicht sehen, und das Ohr vermag allein nicht zu hören. In den Upanishaden fragt der Schüler: „Was ist das Sehen des Auges und das Hören des Ohres?“, und ihm wird geantwortet, dass diese Kräfte ausschließlich in den inneren Organen der Seele ruhen, die den materiellen Körper als Mittel benutzen, um die Phänomene des materiellen Lebens erfahren zu können. Ohne die Gegenwart dieser innewohnenden, gestaltenden, hörenden und sehenden Macht oder Wesenheit ist diese als Körper vergötterte Ansammlung von Molekülen tot oder blind.

Diese Philosophen standen nicht hinter dem 19. Jahrhundert zurück. Boscovich, der Jugoslawe, Faraday, Fiske und andere moderne Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass wir die Materie, aus der unsere Körper und die verschiedenen uns umgebenden Substanzen gebildet sind, nicht sehen oder erkennen können und dass die Grundsubstanz aller Dinge nicht feinkörnige Atome, sondern „Punkte von dynamischer Kraft“ sind. Daher können wir ein Stück Eisen nicht erkennen, wir sehen nur die Phänomene des Produktes. Dies ist eine alte arische Anschauung, und ergänzend beinhaltet sie, dass der wirkliche Seher dieser Phänomene das Selbst ist.

[...]

Wir müssen die Blindheit des Dhritarâshtra als Körper anerkennen und ebenso, dass uns unser Bewusstsein und unsere Fähigkeit, irgendwelche sich im Körper abspielenden Modifikationen zu erkennen, nur durch den „herrschenden Geist“ zuteil werden.

So ist also dieser alte, blinde Râja der Teil des Menschen, der das materielle Leben enthält und in dem das Prinzip des Durstes nach irdischer Existenz wohnt. Der die eine Seite seines Reiches begrenzende Ganges symbolisiert den im menschlichen Körper inkarnierten heiligen Strom des spirituellen Lebens.

Zuerst fließt der Strom herab. Er wird von uns nicht erkannt, da er sich noch in den spirituellen Sphären bewegt. Dann tritt er in das ein, was wir Materie nennen, in der er sich offenbart, bleibt aber von uns noch immer unerkannt, bis er schließlich in das Meer fließt – oder in den Tod –, um von der Sonne wieder hinaufgesogen zu werden – als das Karma der Reinkarnation. Die Ebene ist heilig, denn sie ist der „Tempel des heiligen Geistes“. Kuru-Kshetra sollte also heißen: „der durch Karma erlangte Körper“. Deshalb fragt der König nicht nach dem Verhalten des Körpers, sondern danach, was die Angehörigen des Heeres, die Anhänger der materiellen Existenz, ausgeführt haben. Mit anderen Worten, was die gesamte Armee der niederen Elemente im Menschen – die ihn mit dem materiellen Leben verknüpfen – und was die Gefolgschaften der Pândavas – die das Heer der spirituellen Kräfte darstellen –, was diese beiden Heere auf der heiligen Ebene ausgeführt haben.

Daraus ergibt sich, dass die Beschreibung der Generäle und Kommandeure, die der Minister dem König auf seine Anfrage hin gibt, in Wirklichkeit ein Katalog der höheren und niederen Eigenschaften im Menschen sein muss. Hierbei zeigt sich, dass die verschiedenen Namen Andeutungen über jene Kräfte unserer Natur enthalten, die im Westen bisher nur dunkel geahnt oder in so vage Begriffe wie Gehirn und Gemüt einbezogen werden. Wir sehen, die Generäle sind auf beide Seiten verteilt. Ihnen sind bestimmte Waffen, die in den verschiedenen Situationen gebraucht werden, zugeordnet, damit sich unsere Aufmerksamkeit auf sie richtet.

[...]

Die Beschreibung der Kräfte und ihre erste Wirkung auf Arjuna zeigen, dass wir nun von Krishna zu lernen haben, was die Pflicht eines Menschen im Kampf mit all den Kräften und Tendenzen seiner Natur ist. Anstatt dass der Kampf eine Verunstaltung der Bhagavad-Gîtâ ist, wird er jetzt zu einem notwendigen und wertvollen Teil derselben. Wir sehen, der Kampf muss von jedem Menschen ausgefochten werden, ob er nun in Indien oder anderswo lebt, denn er tobt auf der heiligen Ebene unseres Körpers. Deshalb ist auch jeder von uns Arjuna.

[...]

Nachdem Arjuna ausgesprochen hatte und sein Herz völlig in Verzagtheit geraten war, ließ er Bogen und Pfeile fallen und sank todtraurig auf den Sitz seines zwischen den beiden Heeren stehenden Streitwagens nieder.
(Vers 46)

Jeder Schüler [...] hat durch Arjunas Erfahrungen zu gehen. Angezogen durch die Harmonie oder eine andere für ihn vielversprechende Qualität, nimmt er das Studium der Bhagavad-Gîtâ auf und bemerkt bald, dass er zwei Arten von Kräften erweckt. Die eine besteht in seinen Freunden und Verwandten, die das Leben nicht so betrachten wie er. Sie sind mit „der bestehenden Ordnung der Dinge“ verheiratet und sehen ihn als einen Toren an, weil er sein Interesse anderem widmet. Seine allgemeinen Freunde und alle, denen er begegnet, wenden sich instinktiv gegen ihn, wenn er seinen Kampf gegen die eigenen Torheiten und Fehler beginnt, der aber, und sei es nur durch die Macht des Beispiels, mit der Verurteilung ihrer Fehler und Schwächen endet. Die anderen Gegner sind viel schwieriger zu fassen, weil sie ihr Lager und ihre Aktionsbasis auf der Astralebene und auf anderen verborgenen Ebenen haben. Es sind all seine niederen Neigungen und Eigenschaften, die bisher ausschließlich im Dienste des materiellen Lebens standen. Durch die Kraft der moralischen Neigung ihres Kampfgeistes schwenken sie auf die andere Seite über, auf der sie seinen lebenden Freunden und Verwandten in dem Kampf gegen ihn beistehen. Sie haben mehr Macht, Verzagtheit zu erzeugen, als alles andere. In der Bhagavad-Gîtâ wird dies mit folgenden von Arjuna an Krishna gerichteten Worten gesagt:

Ich fühle mich unfähig, ruhig zu stehen; mein Gemüt scheint sich im Kreise zu bewegen. Auf allen Seiten, o Kesava (Krishna), erblicke ich üble Omen.
(Vers 30)

[...]

Wenn du dich der Selbstsucht hingibst und denkst: „Ich will nicht kämpfen“, so wird sich ein solcher Entschluss als vergeblich erweisen, denn die Prinzipien deiner Natur werden dich zum Kampfe zwingen. Da du durch das Karma deiner ganzen Vergangenheit an deine natürlichen Pflichten gebunden bist, so wirst du unfreiwillig, durch die Not gezwungen, dasjenige tun, o Sohn von Kuntî, dem du in deiner Torheit ausweichen möchtest.
(Kap. 18, Vers 59 f.)

[...]

Auch zeigt Krishna, dass dieser Körper mit seinen Tendenzen lediglich die Manifestation dessen bildet, was der innere Mensch als das Resultat all seiner früheren Gedanken bis hin zu seiner gegenwärtigen Inkarnation ist. Aus diesem Grund wird er durch das Naturgesetz, das sein eigenes ist, gezwungen, sich genau dort zu verkörpern, wo er die nötige Erfahrung erlangen kann. Und da Arjuna ein Krieger ist, so ist er zum Kampf gezwungen, ob er will oder nicht.

[...]

Dieses SELBST muss als uns innewohnend erkannt werden. Wir müssen über das SELBST nachsinnen und es so gut wie möglich verstehen, wenn wir wahres Wissen gewinnen wollen.

[...]

Das physische Gehirn erweist sich somit lediglich als das materielle Organ, das von dem wirklichen Wahrnehmenden beim Empfangen oder Übertragen von Ideen und Eindrücken als Erstes gebraucht wird. Ähnliches gilt für alle anderen Organe: Sie sind nur die speziellen Zentren für die Bündelung der Kraft des wirklichen Menschen, damit er die Veränderungen der Natur an der betreffenden Stelle erfahre.

Wer ist es, der durch diese Verzagtheit leidet?

Es ist unsere niedere Persönlichkeit im Gegensatz zu Krishna, dem Höheren Selbst, die durch den unmittelbaren Widerstand unserer niederen Natur und all jener Personen, mit denen wir in enger Verbindung stehen, niedergedrückt wird, sobald wir beginnen, von alten Gewohnheiten abzulassen und zu einer neuen Betrachtung unseres Denkens zu kommen.

Der auf den Sitz seines Streitwagens – der sein Körper ist – niedersinkende Arjuna fiel zurück in seine eigene Natur. Er fand in ihr sowohl die Elemente des Forschens und der Ermutigung als auch die vorhergehenden Elemente der Verzagtheit, die sich zuerst erheben, da sie dem alltäglichen Menschen näher sind. Vertrauen auf unsere eigene innere Natur und unser Festhalten daran in Zeiten der Finsternis werden ganz gewiss durch die Stimme Krishnas, des inneren Führers, beantwortet.

 

Die ersten Konsequenzen der Verzagtheit

Als erste Konsequenz der Verzagtheit fühlen wir, dass der Kampf, auf den wir uns eingelassen haben, aufgegeben werden sollte. Wir sind dann fast überwältigt von dem Verlangen, den Kampf zu beenden. Einige geben ihn auch auf, um ihn vielleicht erst in einem kommenden Leben wieder zu beginnen, während andere, gleich Arjuna, auf die Stimme Krishnas hören und tapfer bis zum Ende kämpfen.

[...]

Der Palast der Mâyâ ist der Körper der Illusion, den wir um uns herum durch Begierde errichten. In unseren letzten Inkarnationen wurde uns allen der in der Bhagavad-Gîtâ gegebene Rat, den Kampf aufzunehmen, zuteil. Wenn wir heute wieder durch den Palast wandern, der uns oft so lieblich erscheint, werden hin und wieder Erinnerungen an die Vergangenheit wach: Zeitweilig nehmen wir mutig den Kampf auf; wenn wir aber den Worten des Führers richtig zugehört haben, werden wir uns zweifellos schließlich zwingen, den Kampf bis zum Ende auszufechten.

Mit dem Ende des ersten Kapitels erreichen wir den ersten Abgrund. Es ist jedoch nicht der große Abgrund, auch wenn er uns in unserer Erfahrung als der größte erscheinen mag. Wir stehen nun unserer eigenen Verzagtheit und ihrem Begleiter – dem Zweifel – gegenüber. [...] Gleich einem kleinen Kinde, das sich zum ersten Mal von der Seite der Eltern fortwagt, fürchten wir uns vor dem, was uns neu erscheint, und wir werfen unsere Waffen fort, um den Kampf aufzugeben. Im theosophischen Studium und Leben ist ein Zurückgehen jedoch nicht möglich, denn:

Der Abgrund liegt hinter uns.

Es gibt in der Natur ein Gesetz, das in jedem Bereich, ob moralisch oder physisch, tätig ist. Wir können es das Gesetz der Wellenbewegung und dann das der Hemmung nennen, während es zu anderer Zeit als Schwingung und schließlich auch als Anziehung und Abstoßung erscheint. Doch alle diese Veränderungen sind nur scheinbare, weil sie im Grunde dasselbe sind. In der Pflanzenwelt lässt es den Saft den Baum hinaufströmen, hindert aber sein Zurückfließen in derselben Richtung. An unserer eigenen Blutzirkulation sehen wir, wie das Blut vom Herzen angetrieben wird, die Natur aber durch kleine Klappen dafür gesorgt hat, dass das Blut nicht auf dem gleichen, sondern auf dem vorgeschriebenen Weg in das Herz zurückströmt. Die medizinische und anatomische Wissenschaft ist sich nicht ganz sicher, was die Ursachen sind, die das Blut durch die Klappen strömen lassen: ob der vom Herzen mitgeteilte Druck von rückwärts oder der atmosphärische Druck von außen das Blut sanft durch die Adern führt. [...]

In diesem Sinne repräsentiert die Klappe in unserer Blutzirkulation den Abgrund hinter uns, über den wir nicht mehr zurückkehren können. Wir sind in der großen Hauptzirkulation und gezwungen, ihrem Vorwärtsimpuls zu folgen, ob wir es nun wollen oder nicht.

[...]

Wir betreten diesen großen Pfad der Tätigkeit, indem wir das Gemüt darauf einstellen, schließlich den Sieg zu erringen. Diese Gemütshaltung bringt sofort alle Teile unserer Natur zur Aktivität, während sich unsere Neigungen, die von Natur aus gegensätzlich sind, voneinander trennen und sich alles in zwei gegenüberstehenden Hauptlagern sammelt. Dies erzeugt große Qualen, häufig auch ein verblendetes Gemüt, und zu unserer Hoffnungslosigkeit werden wir mit Schrecken erfüllt. Dann mag es wohl geschehen, dass wir niedersinken und in einen dichten Wald flüchten möchten – oder wie zu den Zeiten des Mittelalters in ein Kloster –, um einem in unseren Augen ungünstigen Boden für einen Kampf zu entrinnen. Wir haben jedoch eine Naturkraft wachgerufen und eine Strömung, eine Vibration erzeugt, die ausdauernd wirkt, ganz gleich, was wir tun. Dies ist die Bedeutung der fortgesetzt „fliegenden Pfeile“, als Arjuna sich auf den Sitz des Wagens niederließ.

An diesem Punkt unseres Fortschrittes sollten wir unser Motiv und unseren Wunsch untersuchen.

[...]

Der alte Hermetische Lehrsatz lautet: „Hinter dem Willen steht der Wunsch“, und das ist wahr.

Der Wille ist eine reine, farblose Kraft, die durch den Wunsch in Tätigkeit versetzt wird. Wenn der Wunsch dem Willen keine Richtung gibt, ist der Wille untätig; sobald der Wunsch jedoch die Richtung angibt, wird der Wille zur Ausführung gelangen.

Da es aber zahllose Willen von fühlenden Wesenheiten gibt, die in unserer Region fortwährend miteinander verkehren und die zu allen Zeiten in gewisser Art aufeinander einwirken, stellt sich die Frage nach einem Wissen, das uns zeigt, wie wir unseren Willen so ausüben können, dass die Wirkung der feindlichen Willen nicht gefühlt wird. Dieses Wissen ist der Mehrheit der Menschheit verloren gegangen. Es zeigt sich in der Welt nur hier und da als karmisches Resultat, und wir sehen dann Menschen, deren Wille sie zum Erfolg zu führen scheint.

Die überwiegende Mehrheit der Menschheit verlangt jedoch nicht nach Resultaten, die in Harmonie mit dem Willen der großen Natur stehen, da sie ihre eigenen Vorteile suchen. Daher wird ihr Verlangen ohne Rücksicht auf seine Stärke eingeschränkt oder aufgehoben: 1. durch den Mangel an Wissen, wie anderen Willen widerstanden werden kann; 2. weil es sich in Opposition zum Generalwillen der Natur befindet, ohne die Kraft zu besitzen, diesem Willen stark zuwiderzuhandeln.

Hieraus geht hervor – wie wir es auch im Leben sehen –, dass die Menschen nur einen Teil dessen erlangen, was sie begehren.

Die nächsten Fragen lauten: Können Menschen gegen den Generalwillen der Natur handeln und der eigenen Zerstörung entrinnen? Ist es ihnen möglich, wissentlich boshafte Dinge zu begehren und durch ihren Willen das Gewünschte zu vollbringen?

Menschen dieser Art können all dies ausführen, sie können ihrer Vernichtung jedoch nicht entgehen. Diese wird unausweichlich kommen, mag der Zeitpunkt auch noch so fern liegen. Diese Menschen erlangen außergewöhnliches Wissen, das sie befähigt, Kräfte für ungeheure Zeiträume zu egoistischen Zwecken zu missbrauchen, doch schließlich machen sich die verhängnisvollen Wirkungen aufgrund ihres Widerstandes gegen den Generalwillen geltend, und sie gehen dann ihrer Vernichtung entgegen.

[...]

Und als der große König der Glorie den himmlischen Schatz des Rades sah, besprengte er ihn mit Wasser und sprach: „Rolle, o mein Herr, das Rad weiter! O mein Herr, gehe voran und überwinde!“

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