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Zentren der alten Mysterienschulen
Esoterische Philosophie ~ Weisheit der Zeitalter
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Panoramablick auf das Hieron im Kabirenheiligtum von Samothraki

Zentren der alten Mysterienschulen

Prof. Dr. Gottfried von Purucker

Mysterienschulen gab es seit undenklichen Zeiten. Sie waren die geistigen Zentren vieler alter Kulturen. Aber nur wenig ist bisher über sie an die Öffentlichkeit gedrungen. Von vielen ist noch nicht einmal bekannt, wo sie sich befanden.

Der Fehler fast aller Gelehrten und Mystiker ist, zu viel Wert auf die geographischen Orte der Mysterienschulen zu legen. Darum wird vergleichsweise wenig über die Lokalitäten und Orte der Mysterienschulen gesagt.

Zwei Aspekte der Mysterienschulen

Seit undenklichen Zeiten hat es Schulen der Mysterien gegeben, von denen einige mehr oder weniger öffentlich bekannt waren. Zu ihnen zählen Eleusis und Samothrake in Griechenland. Andere wurden vermutet, es wurde über sie geflüstert, doch waren sie der Menge nicht bekannt. Diese Mysterienschulen waren immer in zwei Aspekten tätig, dem exoterischen und dem esoterischen. Jene Schulen, die stärker den exoterischen Aspekt betonten – was auf ihre Art ein edles Werk war, weil es die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich zog und ihre Augen zu höheren Dingen erhob –, waren Orte wie Eleusis und Samothrake in Griechenland, Abydos und Theben in Ägypten und Ephesus in Kleinasien.

Eleusis und Samothrake waren fast gänzlich den Mysterien gewidmet; daher wurde so oft von ihnen gesprochen, und fälschlicherweise wurden sie als der einzige Typ von Mysterienschulen in der ganzen Welt angesehen, doch das sind sie nicht. Die meisten dieser Mysterienschulen in den verschiedenen Ländern waren als geheime Körperschaften den Haupttempeln angeschlossen. Mit anderen Worten: Jeder große Tempel hatte seine besondere oder geheime Mysterienschule, die der Menge nicht oder nur teilweise bekannt war. Dies war in allen alten Ländern so. Das bedeutet aber nicht, dass jeder alte Tempel eine Mysterienschule hatte, denn das entspricht nicht den Tatsachen. Nur die Hauptzentren religiöser Lehren waren die Orte, an denen die geheimen Mysterienschulen existierten – zwar nicht immer, aber in der Regel.

Geheime Körperschaften

Wie schon gesagt, waren die Mysterienschulen manchmal den größten Tempeln angeschlossen. Doch die größeren Mysterienschulen waren diejenigen, die auf Gebäude jeglicher Art keinen Wert legten, und zwar hauptsächlich aus dem Grunde, weil Gebäude die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und öffentliches Aufsehen erregen, und genau das war es, was diese mehr geheimen, mehr esoterischen Schulen zu vermeiden suchten. Aus diesem Grunde wurden, sofern die Tempel lediglich Sitze exoterischer Rituale waren, die Mysterienschulen manchmal von ihnen getrennt und geheim gehalten. Die Zusammenkünfte, Versammlungen, Initiationen und Einweihungsriten wurden gewöhnlich in sorgfältig vorbereiteten Höhlen durchgeführt, gelegentlich unter freiem Himmel, wie es die Druiden unter den Eichen ihrer Halburwälder in Britannien oder in der Bretagne taten; der allgemeinen Kenntnis blieben sie so verborgen. In einigen Fällen hatten die Mysterienschulen keinen ständigen oder festen Standort, sondern die Eingeweihten empfingen von Zeit zu Zeit Nachricht, wo sie sich zu treffen und ihre Einweihungstätigkeiten abzuhalten hatten.

Lehren im Verborgenen

Die Lage dieser Plätze wurde höchst sorgfältig vor jedermanns Kenntnis verborgen gehalten, außer vor den Eingeweihten selbst. Was das Druidentum, den Mithraismus und den Judaismus – um einige Beispiele zu nennen – betrifft, so waren die geheimen Mysterienschulen oft in verborgenen oder unterirdischen Räumen untergebracht oder auch, wie im Fall der ersten, in der Mitte des Waldes – wie zum Beispiel bei Stonehenge in England, Carnac in der Bretagne, verschiedenen Orten im Römischen Reich für den Mithraismus und verschiedenen Orten in Judäa.

In Indien waren einige bestimmte der großen Höhlentempel, wie Karli und ein oder zwei von H. P. Blavatsky erwähnte, Mysterienzentren. Entsprechende gab es auch in Ceylon und im Süden Indiens.

Mysterienzentren waren Memphis, Abydos, Theben, Abu Simbel und Karnak in Ägypten, Sippar in Assyrien, Ekbatana in Medien, Babylon, Ur und Lagasch. Doch es wäre falsch zu sagen, all die verschiedenen Länder, die Orte für exoterische Verehrung hatten, wären ebenfalls Zentren für esoterische Einweihungen gewesen, denn das waren sie nicht.

Ebenso wie in der Vergangenheit existiert selbst heute das gleiche allgemeine System. In ihm sind sowohl die exoterischen als auch die esoterischen Aspekte der Lehren der Weisheit der Zeitalter enthalten, mit anderen Worten: das gleiche System der Mysterienschulen.

 

Literaturhinweise:

 

Foto: Panoramablick auf das Hieron im Kabirenheiligtum von Samothraki. Agon S. Buchholz, de.wikipedia.org

 

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