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Symbole – ihre universale Sprache
Esoterische Philosophie ~ Weisheit der Zeitalter
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Symbole – ihre universale Sprache

Dipl.-Psych. G. Norge

Symbole haben die Menschen seit jeher fasziniert und zum tiefen Nachdenken angeregt. Viele Symbole haben nahezu weltweit in allen Kulturen eine verblüffende Ähnlichkeit. Dazu gehören auch solche, die sich auf die Dualität in der Natur beziehen. Der Grund ist einfach: Es gibt nichts in der Natur, das nicht dual ist. Alles hat einen geistigen Pol, einen Aspekt der Kraft oder des Prinzips, und als Gegenpol eine materielle, vehikuläre Elementseite. Diese beiden Pole sind ebenso bei Menschen wie bei Tieren, Pflanzen, Planeten, Atomen oder anderen Lebewesen vorhanden. So ist die gesamte Natur von Geist und Intelligenz und damit von Leben durchdrungen und geleitet. Auch die uns unbelebt erscheinende Materie ist aus unzähligen atomaren Welten aufgebaut, die mit Energie, Bewegung und sogar mit Bewusstsein erfüllt sind. Es gibt daher nichts wirklich Totes, nichts rein Materielles. Das Äußere ist nur die Hülle inneren Lebens, innerer Kräfte. Dieser Grundgedanke der Weisheit der Zeitalter wurde in weltweit ähnliche Symbole gekleidet.

Geist und Materie – ein ewiges Paar

Ein weit verbreitetes Sinnbild für Geist ist das Feuer. Dieser Symbolgehalt erklärt auch das Kerzenlicht oder sonstige Lichter, die durch verschiedene brennbare Materialien in wohl allen Tempeln und Kirchen der Welt erzeugt werden. Auch die Sonne gilt als Symbol für das Geistige, Göttliche, für kosmische Intelligenz. Nahezu alle Völker und Kulturen kennen oder kannten eine Form der Sonnenverehrung. Die alten Ägypter hatten die Sonnengötter Ra und Aton, die Perser Ahura Mazda, die Griechen verehrten die Sonne in Apollo.

Sehr weit verbreitete Symbole für das Materielle sind naheliegenderweise die Erde, aber auch das Quadrat oder der Quader, die durch ihre Gestalt die materielle Kristallisation bzw. einen Zustand des Gleichgewichts und der Ruhe illustrieren. Gefäße wie ein Kelch oder eine Schale symbolisieren ebenfalls die Materieseite, in die sich der Geist oder die Kräfte ergießen.

Die Wechselwirkung von Kraft und Materie oder von Geist und Stoff wird vor allem durch verschiedene Dreiecks- und Kreuzsymbole veranschaulicht, die zu den aussagekräftigsten und verbreitetsten Symbolen gehören.

Das Zeichen Vishnus

Das Zeichen VishnusSo ist das in Indien bekannte sechseckige Zeichen des Vishnu im jüdischen Kulturkreis als Siegel Salomons bekannt. Es besteht aus zwei ineinander verschlungenen Dreiecken. Das aufwärts zeigende Dreieck steht für Geist, das abwärts weisende für Materie. Ihre Verschränkung veranschaulicht das enge Zusammenwirken von Prinzipien und Elementen, Kraft und Materie, Geist und Stoff, die untrennbar zusammengehören und beständig ineinander übergehen. Die Dreiecke stehen zudem für die gegensätzlichen Energien der Natur: das Gute und Böse, Tag und Nacht, männlich und weiblich, Freiheit und Sklaverei, kalt und heiß – jene großen Gegensätze, durch die der Mensch fähig ist, Wahrheit zu finden.

Das abwärts weisende Dreieck symbolisiert den Abstieg oder das Fallen des Geistes in die Materie, d. h. die Anziehung zur materiellen Welt. Das aufwärts weisende Dreieck deutet das Erheben zur Sonne oder in den Geist an, ebenso wie sich die Flamme aufwärts erhebt und in einer Spitze oder einem Punkt verschwindet.

Das Ei – der Keim der Welt

Viele weitere Symbole beziehen sich besonders auf den evolutionären Aspekt in der Natur, zum Beispiel das Ei. Aufgrund seiner doppelkugelähnlichen Form und seiner Funktion als Lebenskeim ist es ein Sinnbild für Geburt und Wiedergeburt und damit auch für universale Selbstevolution. Das christliche Ostern entspringt überwiegend einem uralten nordeuropäischen Fest der Wiedergeburt, das im Frühling gefeiert wurde – die geeignete Jahreszeit für ein solches Fest, da die Natur zu diesem Zeitpunkt neues Leben hervorbringt.

Die alten Denker sahen das Universum als ein riesiges Aggregat von Lebewesen an, die entsprechend ihrer jeweiligen Stufe evolvieren, um ihr Inneres aus sich heraus zur Entfaltung zu bringen. Welches Symbol könnte diesen Vorgang besser illustrieren als das Ei? Es kann immer nur das zur Manifestation bringen, was in ihm ist: seinen entsprechenden Lebenskeim, der sich zu einem Krokodil, einer Schlange, einer Ente, einem Huhn oder einer anderen Wesenheit entwickelt. Jedes Lebewesen hat einen solchen Lebenskeim, d. h. ein ihm zugrundeliegendes Ei. Somit ist das Ei die Grundform allen Lebens, daher lautet auch ein uralter Ausspruch: „Alles Leben entspringt dem Ei“.

Weltweit das gleiche Symbol

Serpent MoundIn einem weiter gefassten, allgemeinen Sinn stellt das Ei das uranfängliche Chaos dar, die große Weite und Tiefe des Raumes, den großen Mutterleib der Natur, aus dem heraus das Universum mit Hilfe spirituell-göttlichen Geistes erzeugt wird. Das gleiche Symbol wird auch verwendet, um das hervorgebrachte Universum zu bezeichnen. In diesem Sinn wird universal von einem Weltenei gesprochen. So ist zum Beispiel überliefert, der indische Gott Brahmâ sei in einem Weltenei herangereift. Im Mythos der Ägypter kommt das Weltenei aus dem Mund der Gottheit Kneph hervor. Dann gab es das Ei von Babylon, das vom Himmel in den Euphrat gefallen sein soll. Auch in den Orphischen Hymnen spielt das Ei ein Rolle: Die kosmische Schlange atmet das zukünftige Universum in Form eines Eies aus. Ein ähnliches Bild ist in Adams County, Ohio, USA, zu finden (s. Foto, © Wikipedia). Dort gibt es den großen Schlangenhügel, der eine lange Figur in Form einer Schlange darstellt, die ein Ei verschlingt oder ausspeit. In Schottland befindet sich ein ähnlicher, nur kleinerer Schlangenhügel. Auch in Peru gibt es das Symbol des kosmischen Eies. So heißt es in einer peruanischen Darlegung, dass der „mächtige Mensch“, der ideale Mensch, Manco-Capac, und sein Weib Mama Oello, das „Mutter-Ei“, das Universum ins Dasein brachten. Überall wird also das gleiche Symbol verwendet.

Der Weltenbaum – der Baum des Lebens

WeltenbaumAndere universale Symbole beziehen sich besonders auf die Struktur, den Aufbau, die Zusammengesetztheit unseres Universums und seiner in ihm lebenden Wesenheiten. Ein Beispiel ist der Baum als Baum des Lebens oder Weltenbaum. So war die Esche der Weltenbaum der Nordländer oder Skandinavier. Der Banyanbaum, dessen Zweige sich zur Erde herab neigen, Wurzeln schlagen und dann erneut himmelwärts wieder aufsteigen, ist der entsprechende Baum der Inder. Die Zypresse war der Weltenbaum der alten Perser und Mexikaner. Die Babylonier hatten ebenfalls ihren Baum des Lebens.

Welcher Baum als Weltenbaum genommen wurde, wechselt je nach Volk, Land und Vegetation, aber die dahinter liegende Idee war überall die gleiche: Wie der Baum seine Lebenskraft über die Wurzeln aufnimmt und über Stamm und Äste bis in die feinsten Verästelungen weitergibt, so ist unser Universum aus einer Vielzahl von Welten aufgebaut, die sich gegenseitig durchdringen und das Universum zu dem machen, was es ist – ein Universum der Fülle, das voller Leben und Lebewesen ist.

So wussten die alten Weisen um höhere und niedere Welten, um Himmel und Höllen, die, wenn wirklich verstanden, keine Phantastereien sind, sondern Realitäten, geradeso wie die physische Welt für uns Realität ist. Versinnbildlicht die Baumkrone mit ihren Zweigen, Blättern und Früchten nicht wunderbar die verschiedenen einander durchdringenden Welten? Kann es da verwundern, wenn in alten Völkern Bäume als heilig angesehen und Geschenke und Früchte an ihre Zweige gehängt wurden als Gaben an die Götter? Oft wurde der Baum auch umgekehrt dargestellt, mit den Wurzeln in den Himmel strebend, um den Ursprung aus dem Spirituell-Göttlichen zu verdeutlichen.

Symbole als Sprache universaler Weisheiten

Die aufgeführten Beispiele zeigen, dass die Sprache der Symbole universal und daher kulturunabhängig ist. Symbole sind ideale Überträger für Ideen, für universale Weisheiten, die das geistige Erbe der Menschheit sind. Liegt daher nicht die Vermutung nahe, dass es eine gemeinsame Quelle dieser Weisheit der Zeitalter gibt, aus der große Denker weltweit geschöpft haben, ob bewusst oder unbewusst, direkt oder indirekt, in einem größeren oder geringeren Maße? Und ist die Suche nach einer solchen Quelle nicht ein sehr erstrebenswertes, sinnerfüllendes Ziel?

 

Literaturhinweise:

 

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